KDFB
27.04.2018

Nachlese: Valerie Schönian beim KDFB Berlin

KDFB-Vorstandsmitglied Sandra Courant (l.) mit Autorin Valerie Schönian.

40 Zuhörerinnen und Zuhörer erfuhren spannende Hintergrundinformationen zum Projekt "Valerie und der Priester".

KDFB-Bildungsreferentin Heike Neubrand (l.) mit Valerie Schönian.

Valerie Schönian.

Von Schleudertrauma zum heiligen Rausch – ein Jahr an der Seite eines katholischen Priesters: Die 40 Zuhörerinnen und Zuhörer erwartete am 26. April die spannende Perspektive einer jungen großstädtischen Feministin auf „die Kirche“, die im Buch in Gestalt eines Priesters auftritt. Seinen Ursprung hat das Buch im Blog „Valerie und der Priester“, in dem die Journalistin Valerie Schönian ein Jahr lang den Kaplan Franziskus von Boeselager in Münster bei der Arbeit begleitet hat.
Das Projekt der Katholischen Kirche war zunächst einmal eine höchst erfolgreiche Imagekampagne für den Priesterberuf.
Doch was war Valerie Schönians Beweggrund, mitzumachen?, fragte KDFB-Bildungsreferentin Heike Neubrand. Ihr erster Gedanke sei gewesen: „Was, Priester gibt es noch?“, erzählte die Autorin. Es habe sie gereizt, mehr über den Beruf zu erfahren, zumal es für Journalisten nicht der Normalfall sei, ein Jahr dranbleiben zu können. Ob Missbrauchsskandal, Tebartz-van Elst oder Frauenfrage: Sie habe sich vorab versichert, so die Wahlberlinerin, dass es keine Tabufragen gebe.
Im ersten Teil des Buches war mehr über die Personen Valerie und Franziskus und ihre völlig unterschiedliche Sozialisation zu erfahren. Das Zusammenprallen der beiden Welten forderte seinen Tribut: So lag die um ein Verstehen bemühte Mittzwanzigerin in der orientierungslosen ersten Phase abends regelmäßig mit „Tabernakel-Monstranz-Kopfschmerzen“ im Bett.
Die einzige Projekt-Bedingung sei gewesen, dass beide ein Jahr durchhalten. Valerie und auch ihr Gegenüber kamen immer wieder an die Grenzen ihres Verständnisses, beispielsweise bei der vehementen Ablehnung des Frauendiakonats durch den Priester und den Diskussionen über den diskriminierenden Umgang der Kirche mit homosexuellen Paaren. Ein Überzeugen der Gegenseite? Fehlanzeige. Damit musste Schönian irgendwie umgehen. Durch dieses Durchhaltenmüssen trotz unterschiedlicher Standpunkte gab es jedoch immer wieder Aha-Erlebnisse und Annäherungen. So geriet Valerie beim Weltjugendtag in Krakau in einen „heiligen Rausch“, wie sie in der letzten Lesepassage schilderte.
Einen solchen Rausch kann nicht jeder erwarten, der mit der Katholischen Kirche in Berührung kommt. Doch welches Potenzial hat die Kirche auch für Kirchenferne? Sie biete Halt und Gemeinschaft, erläuterte Schönian. Problematisch und eher abschreckend seien die starren Regeln und Hierarchien. Die wichtigste und hochpolitische Botschaft des Projektes sei für sie: Man könne trotz verschiedener Standpunkte herzlich miteinander umgehen. Ein Verstehen sei möglich, wenn man um Dialog bemüht sei.