KDFB

Nachlese: Frauen in den Medien

Beim Clubabend in Potsdam: Dr. Claudia Nothelle (Mitte) mit Magdalena Möbius (EKBO, links) und Maren Gienapp (KDFB Berlin-Vorstand).

Warum sind Frauen in den Medien immer noch unterrepräsentiert und wie sehen Strategien für ein ausgewogenes Verhältnis vor und hinter der Kamera aus? Dr. Claudia Nothelle, Professorin für TV-Journalismus an der Hochschule Magedeburg-Stendal, sprach beim Clubabend über Medienmacher und Medienmacht

Männliche Redakteure müssen sich bewegen – Medienmacherinnen aber ebenso. Dabei haben sie vieles selbst in der Hand. Das ist das Fazit des KDFB-Clubabends in Potsdam, an dem Dr. Claudia Nothelle zum Thema „Weit entfernt von 50/50. Frauen in den Medien“ als ehemalige rbb-Programmchefin aus der Insider-Perspektive berichtete.

Männer prägen noch immer den Stil

Unter Studierenden im TV-Journalismus stellten die Frauen mit 70 Prozent den Löwinnenanteil. So sollte es überraschen, dass sie später wesentlich seltener Führungspositionen übernehmen als Männer. Doch klar sei: „Wer in Führung ist, prägt den Stil, den Umgang, die Kultur. Das sind noch immer Männer und so setzen sich männliche Muster durch. Das macht es Frauen schwer“, erläuterte Nothelle. Zwar seien Frauen vor der Kamera mit Journalistinnen wie zum Beispiel Caren Miosga, Sandra Maischberger oder Anne Will prominent vertreten, doch die Redaktionsleiter der Sendungen seien nach wie vor hauptsächlich Männer. Sie sind es, die maßgeblich über Inhalt und Gästeliste entscheiden. „Redakteure sollten sich immer wieder fragen, ob es eine Expertin zum Thema gibt, die man einladen könnte“, forderte Nothelle. So würden Frauen sichtbarer.

Harte Themen, Frauennetzwerke, Entscheidungen treffen

Studentinnen und Redakteurinnen selbst forderte Nothelle deutlich auf, sich etwas zuzutrauen, Herausforderungen anzunehmen und gezielt ihre Karriere zu planen: „Frauen sollten sich nicht in die weichen Themen wie Mode und soft news abdrängen lassen, sondern gerne auch die harten Felder bearbeiten: Finanzen, Wirtschaft, Krisen und Konflikte.“ Sich mit Kolleginnen in Frauennetzwerken gegenseitig zu stärken sowie für eine partnerschaftliche Kinderbetreuung einzutreten, helfe zudem ungemein. Und schließlich: „Frauen generell, und Redakteurinnen im Besonderen: Trefft auch unbequeme Entscheidungen und steht dazu!“