KDFB
28.11.2017

Zwischen Verweigerung und Innovation

Diskutierten über eine zukunftsfähige Kirche (v.l.): Pfarrer Frank Hoffmann, Markus Weber, Leiter der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“ des Erzbischofs, und die Pastoralreferentin für Citypastoral Carla Böhnstedt.

Zwischen Verweigerung und Innovation: Wie die Kirche versucht, zukunftsfähig zu werden
KDFB-Podiumsgespräch zum Stand des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ 

„Die Kirche der Zukunft ist für alle Menschen da, sie ist offen und weit weg von jeder Schrebergartenmentalität.“
Markus Weber, Leiter der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“ des Erzbischofs

„Mit der Kirche der Zukunft können Menschen leicht in Beziehung treten, denn die Gemeinden sind in ihren Kommunen vielseitig eingebunden. Die Kirche ist der Marktplatz, auf dem sich die unterschiedlichsten Menschen begegnen.“
Pfarrer Frank Hoffmann, Propst der katholischen Kirche in Vorpommern

„Wir sind noch zu wenig auf den Marktplätzen, wir müssen noch viel mehr dorthin, wo das Leben spielt!“
Carla Böhnstedt, Pastoralreferentin für Citypastoral

So lauteten die Zukunfts-Visionen der Podiumsgäste beim Gespräch „Auf dem Weg zu einer modernen Kirche?“ am 16. November 2017 beim KDFB Berlin. Thema der von Bildungsreferentin Heike Neubrand moderierten Diskussion war der Stand des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ und die Frage danach, ob der eingeschlagene Weg ein erfolgversprechender Weg zu einer modernen Kirche ist.

Das Erzbistum Berlin ist zwar flächenmäßig das zeitgrößte Bistum Deutschlands, aber mit einem Anteil von gerade einmal 9 Prozent Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist es ein Diaspora-Bistum. Nun befindet sich die Kirche inmitten einer gigantischen Strukturveränderung: Aus 105 Gemeinden in Berlin, Brandenburg und Vorpommern werden etwa 35 Großpfarreien. Dabei handelt es sich, wie immer wieder betont wird, nicht nur um eine Strukturveränderung. In den neuen Pfarreien soll vielmehr tatsächlich „Glauben Raum gewinnen“ – Kirche soll zukunftsfähig werden. Der KDFB Berlin sieht diesen Prozess als eine große Chance für Verbände, sich neu zu positionieren und bringt sich – im Gegensatz zu anderen,wie an diesen Abend zu hören war – aktiv ein. 

Als großes Problem wurde die Haltung zum Prozess von hauptamtlichen Mitarbeitern der Kirche benannt. „Ich hätte mir mehr Feuer von den pastoralen Mitarbeitern erhofft“, sagte Stabsstellenleiter Markus Weber.

Best-Practice-Beispiele dafür, wie man kirchenferne Menschen erreichen kann, lieferte Pastoralreferentin Carla Böhnstedt. Mit der Beteiligung am internationalen Kunstprojekt „Before I die“ lud das Erzbistum etwa Menschen dazu ein, ihr Leben zu reflektieren. In den Hackeschen Höfen waren Tafelwände platziert, die dazu aufforderten, den Satzanfang „Bevor ich sterbe, möchte ich…“ zu vervollständigen. Auf diese Weise kam es zu interessanten Gesprächen und Begegnungen mit Passanten, berichtete Böhnstedt, die während der Aktion vor Ort ansprechbar war. Es überrasche Menschen, wenn sich die Kirche mit solchen Aktionen präsentiere.

"Kieztouren mit Herz" erreichen Kirchenferne

Ein weiteres Beispiel: Beim 2016 gestarteten Projekt „Kieztouren mit Herz“ (Pressemitteilung im PDF-Format) handelt es sich um eine erfolgreiche Kooperation von Erzbistum, Caritas und KDFB. Gemeinsam wurde angesichts des von Papst Franziskus ausgerufenen „Jahres der Barmherzigkeit“ überlegt, was Barmherzigkeit heute bedeuten kann. Bei Stadtspaziergängen werden nun spannende Menschen, Vereine und Initiativen besucht, die sich dem Gemeinwohl widmen. Es ging dabei schon etwa um Faire Kleidung, Spielsucht oder Straffälligenhilfe. Das Konzept kommt an, erreicht viele Menschen – und soll 2018 fortgeführt werden. Carla Böhnstedt schilderte, wie gut innovative Projekte bei Kirchenfernen ankommen – während sie innerhalb der Kirche selbst leider durchaus auch auf Abwehr oder Bedenken stoße.

Erfolg ist eng mit den Personen vor Ort verknüpft

Aus der extremen Diaspora berichtete der Pfarrer und Propst der katholischen Kirche in Vorpommern Frank Hoffmann und bestätigte durch seine Ausführungen, wie eng der Erfolg des Prozesses mit den Personen vor Ort verknüpft ist. Denn in Vorpommern beträgt der Anteil der Katholiken gerade einmal zwei Prozent. Hoffmanns Gemeinde aber ist lebendig und zeigt sich offen, für Neugierige, für Gemeinschaft Suchende.