KDFB

Sexueller Missbrauch: Prävention funktioniert nur mit tatsächlicher Aufarbeitung

Über die Unbeweglichkeit der katholischen Kirche diskutierten die drei Podiumsgäste Dr. Ursula Hübenthal-Mathe vom KDFB Berlin, Juristin Brigitte Tilmann und Journalistin Carmen Gräf (v.l.n.r.). © Adréana Hess/KDFB Berlin

Erst Gutachterin an der Odenwald- und später an der Elly-Heuss-Knapp-Schule und nun Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung Sexuellen Kindesmissbrauchs: Im Haus Helene Weber kritisierte Brigitte Tilmann im Gespräch mit der stellvertretenden KDFB Berlin-Vorsitzenden Dr. Ursula Hübenthal-Mathe und Journalistin Carmen Gräf den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch deutlich. Tatsächliche Aufarbeitung habe es bislang nicht gegeben. 

Sie habe gelernt zuzuhören, sagte die ehemalige Präsidentin des Oberlandesgerichts Frankfurt, Brigitte Tilmann. Dass die Kirche den von Klerikern sexuell missbrauchten Menschen bis heute nicht wirklich Gehör schenkt, wertet sie als Zeichen für die Abwehrhaltung der Kirche, sich zu verändern. „Eine vernünftige Prävention gibt es aber nicht ohne Aufarbeitung und die gibt es nicht ohne Gespräche mit Betroffenen“, so Tilmann.

MHG-Studie ersetzt keine Aufarbeitung

Die MHG-Studie sei eine Feststellung von Fakten und habe mit Verstehen-Wollen nichts zu tun. „Strukturelle Veränderungen in der Kirche sind der Hebel. Aber hier haben wir es fast mit einer totalitären Ordnung zu tun“, bekräftigte auch Hübenthal-Mathe, die im Ad-Hoc-Ausschuss des Diözesanrates zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs engagiert ist. „Die gesellschaftliche Realität sieht völlig anders aus als die der Kirche“, stellte auch Gräf fest.

Die Gäste auf dem Podium und das Publikum waren sich einig: Eine Umverteilung von kirchlicher Macht und damit auch die Zulassung von Frauen zu Leitungsfunktionen seien unumgänglich für die Prävention von Missbrauch. Rege diskutierten die Zuhörerinnen zum Abschluss, ob ein Wandel nur von unten, durch Kirchenaustritte, erzwungen werden könne. Doch viele wollten sich lieber im Sinne des von Tilmann angesprochenen „Zuhörens“ einbringen und in ihren Gemeinden Offenheit gegenüber Betroffenen signalisieren.