KDFB

Aufstehen statt austreten: Professorin Birgit Aschmann über den Synodalen Weg und die Zukunft der Kirche

Beim digitalen KDFB-Gespräch „Der Synodale Weg: Kirche im Aufbruch?“ am 2. März 2021 hat Professorin Dr. Birgit Aschmann im Gespräch mit Professorin Barbara John, Vorsitzende des KDFB Berlin, 50 Zuhörer*innen Antworten und Einblicke aus erster Hand in den katholischen Reformprozess gegeben. Aschmann ist Historikerin an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des KDFB Berlin. Sie war an der Vorbereitung des Forums „Frauen in Ämtern und Diensten der Kirche“ beteiligt und ist Mitglied im Synodalforum „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

Es geht um das große Ganze in unserer Kirche, sagte Professorin Barbara John, Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds Berlin: um Gleichberechtigung, Abschaffung des Zölibats, Abbau von Machtstrukturen, also um die Frage: Kann die Amtskirche so weitermachen wie bisher? Die Frage sei, ob die Teilnehmer*innen des Synodalen Weges sich dessen bewusst sind und ob ein wirklicher Aufbruch möglich ist. Professorin Birgit Aschmann berichtete, dass innerhalb der Synodalversammlung die Reformwilligen klar in der Mehrheit seien. Offen sei jedoch, wie viel Bremskraft die anderen hätten. Die Reform kann an vielen Stellen ausgebremst werden: Für Beschlüsse ist eine 2/3 Mehrheit der anwesenden Bischöfe erforderlich. Außerdem sind die Beschlüsse nicht automatisch rechtsbindend. Es bleibt in der Hand der Bischöfe, welche sie umsetzen wollen. Über Beschlüsse von weltkirchlicher Relevanz entscheidet Rom. Gleichwohl setzen die Synodalen auf Tempo: Im Herbst sollen erste Entscheidungen getroffen werden.

Frauenfrage als Seismograf für die Zukunftsfähigkeit der Kirche

Der KDFB Berlin sieht neben einer wirklichen Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs auch die „Frauenfrage“ als Seismograf für die Zukunftsfähigkeit der Kirche. „Das, was verhandelt wird, erscheint häufig geradezu weltfremd“, sagte Barbara John. „Etwa die Auseinandersetzung mit der Frage, was das Mann-Sein Jesu tatsächlich für die Inkarnation bedeutet, oder mit dem „dienenden Wesen“ von Frauen. Wie kann man sich auf solchen Humbug im 21. Jahrhundert einlassen?“‘
Gerade durch die Forderungen von Frauen würden Bischöfe aus ihrer Blase geholt, erwiderte Birgit Aschmann. „Das ist ein Realitätsschock, der ihnen gut tut.“ Sie ermunterte Frauen und Frauenverbände, den Synodalen Weg voranzutreiben und eine Kirchenspaltung zu verhindern: „Ohne Maria 2.0, ohne engagierte Frauen wäre vieles nicht in Bewegung gekommen. Ihr sichtbares Engagement ist von zentraler Bedeutung. Sie dürfen jetzt nicht nachlassen.“  Jetzt gelte es, klug zu überlegen, welche Register noch gezogen werden könnten.

Auch bei der engagierten Diskussion zeigte sich: Das Engagement von Frauen ist essentiell dafür, um Reformen anzustoßen. Die Zusammenhänge aber zeigen sich oftmals nicht unmittelbar. Die Intransparenz des Synodalen Weges werde vielfach beklagt, räumte Aschmann ein. „Das Präsidium aber hat das Problem erkannt und will versuchen, mehr Transparenz zu schaffen“, so die Historikerin.  Hinter den Kulissen geschehe viel: „Sehr engagierte Theolog*innen marschieren los  – aber ob die Kritiker dabei mitgenommen werden, ist noch recht unklar.

Was die Verzahnung mit den Gemeinden betrifft, regte sie an, die Idee in den Gemeinden zu verbreiten und auch mit dem jeweiligen Bistum in Kontakt zu treten. Der Reformdialog müsse jedenfalls stärker in die Gemeinden getragen werden. Dies mit vereinten Kräften anzugehen, sei der einzige Weg, um substantielle Reformen voranzutreiben.

  • Historikerin: Weiheämter für Frauen verhindern Kirchenspaltung // Bericht zum KDFB-Gespräch auf katholisch.de
     
  • Der Synodale Weg

    Der Reformdialog „Synodaler Weg“ wurde durch die MHG-Studie, die das Ausmaß sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen in der Kirche aufzeigte, angestoßen. Die Studie belegt, dass sexualisierte Gewalt in der Kirche systemisch und strukturell bedingt ist. Das Ziel des Reformdialoges ist die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und die Wiedererlangung von Glaubwürdigkeit.
    An den Diskussionsrunden, den sogenannten Synodalversammlungen, nehmen jeweils 230 Delegierte teil. Dabei handelt es sich um alle 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Teilnehmer*innen vom ZdK sowie Vertreter*innen innerkirchlicher Gruppierungen und katholischer Einzelpersönlichkeiten. Zudem gibt es vier Synodalforen, jeweils geleitet von einem Bischof und einem Laien: Forum I „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilhabe und Teilhabe am Sendungsauftrag“, Forum II „Priesterliche Existenz heute“, Forum III „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und Forum IV „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ Weitere Infos gibt es unter: www.synodalerweg.de