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Podium zur Frauenweihe: „Macht die wankenden Knie wieder fest!“

Die Referierenden stehen vor dem KDFB-Logo und lachen

V. l. n. r.: A. Gerth, W. Klose, U. Zeilmann und K. Amelinger

23.09.2025

Am Donnerstagabend, den 18. September 2025, lud der KDFB Berlin zu einer Podiumsdiskussion ins Haus Helene-Weber ein. Unter dem Titel „Frauenweihe: Jetzt oder nie?!“ sprachen drei hochkarätige Gäste über eine der drängendsten Fragen der katholischen Kirche: Dr. Ute Zeilmann, Vizepräsidentin des KDFB-Bundesverbandes, Dr. Monika Amlinger, zur Priesterin berufene Frau und Mitbegründerin des „Netzwerks Berufener Frauen“, sowie Wolfgang Klose, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Knapp 30 Zuhörer*innen erlebten einen Abend voller Emotionen, kritischer Analysen, persönlicher Glaubenserfahrungen – und auch Momente der Heiterkeit. Moderiert wurde das Gespräch von Anna-Sofie Gerth, Referentin des KDFB Berlin.

Ein langer Atem für die Frauenweihe

Besondere Aktualität erhielt die Diskussion durch jüngste Aussagen von Papst Leo XIV.: Zwar betonte er, Frauen weiter in Spitzenfunktionen berufen zu wollen, doch eine Weihe von Diakoninnen lehnt er derzeit klar ab. Damit bleibt die Tür vorerst verschlossen – und genau hier waren sich die Podiumsgäste einig: Warum es gerade jetzt entscheidend sei, das Thema nicht ruhen zu lassen.

Seit mehr als drei Jahrzehnten fordert das „Netzwerk Diakonat der Frau“ die Weihe für Frauen. 2002 ließen sich die „Donau-Sieben“ auf einem Schiff zu Priesterinnen weihen – und wurden dafür exkommuniziert. Auch beim Synodalen Weg sprach sich eine große Mehrheit der Laienvertreter*innen für mehr Teilhabe von Frauen aus, doch die Weltsynode 2024 ließ die Frage erneut offen.

Für Dr. Ute Zeilmann ist die Gleichberechtigung von Frauen im Weiheamt eine theologische wie gesellschaftliche Notwendigkeit. „Es geht darum, ein glaubwürdiges Evangelium und eine glaubwürdige Nachfolge Jesu zu leben. Und dazu gehört in Deutschland auch, dass Frauen gleichberechtigt sind“, betonte sie. Die logische Konsequenz daraus sei, „dass wir uns für die Frauenweihe stark machen müssen.“

„Eine Sehnsucht, die bleibt“

Besonders bewegend waren die persönlichen Einblicke von Dr. Monika Amlinger. Sie erzählte vom Noviziat als junge Benediktinerin bis zu jenem Moment während eines Pilgerwegs, als sie zum ersten Mal ihre Berufung zur Priesterin bewusst verspürte. „Es ist eine tiefe Sehnsucht, die mich seitdem begleitet“, sagte sie. Das Publikum erlebte Gänsehautmomente, als sie trotz aller Rückschläge von der Kraft sprach, die sie in der Verbundenheit mit anderen Frauen im Netzwerk findet.

Ihre persönlichen Erfahrungen verband sie mit einem Blick auf die aktuellen politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und weltweit. Die Runde beleuchtete mitunter die politischen und kirchlichen Rahmenbedingungen, die Veränderungen erschweren. Das zunehmende Erstarken rechter, rückwärtsgewandter und patriarchaler Kräfte bremse progressive Tendenzen aus und habe bereits zu einer konservativen Kehrtwende mancher offener Stimmen geführt. So sprach Amlinger offen über Zweifel: „Auch wenn ich mich öffentlich sehr für die Frauenweihe einsetze, ist es oft ein großes Ringen. Denn selbst ich verspüre nicht immer die Hoffnung, dass die Frauenweihe noch zu meinen Lebzeiten Realität wird.“ Dennoch halte sie an ihrer Überzeugung fest und ihr Engagement bleibt geprägt von großem Durchhaltevermögen.

Männer als Verbündete

Wolfgang Klose unterstrich, dass nicht nur Frauen die Verantwortung tragen. „Wir dürfen nicht locker lassen“, so sein Appell, „je lauter auch wir Männer sind, desto eher regen wir andere Männer zum Nachdenken an.“ Sein Leitspruch, dass Jesus „Mensch geworden sei, nicht Mann“, fasste seine Haltung prägnant zusammen. Persönlich treibe ihn auch die Frage seiner Töchter an: „Ich kann ihnen keine Antwort darauf geben, warum sie in der katholischen Kirche viele Ämter nicht bekleiden dürfen.“

Mut, Beharrlichkeit und Hoffnung

In der anschließenden Diskussion beteiligte sich auch das Publikum rege. Deutlich wurde: Die Frage der Frauenweihe bewegt – und sie verlangt Geduld, Beharrlichkeit und Mut. Trotz mancher Momente der Resignation überwog am Ende die Ermutigung. Ute Zeilmann brachte es mit ihrem Leitvers aus Jesaja (35,3) auf den Punkt: „Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest!“ Der Abend zeigte: Dranbleiben lohnt sich – in Kirche und Gesellschaft.

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Der 1909 gegründete Katholische Deutsche Frauenbund Diözesanverband Berlin e.V. (KDFB Berlin) ist ein unabhängiger Frauenverband. Seine Mitglieder gestalten Politik, Gesellschaft und Kirche mit. Sie setzen sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, geschlechtergerechte Bezahlung, die Förderung von Frauen in Führungspositionen und das Diakonat der Frau ein. Vorsitzende ist die Politikerin und langjährige erste Ausländerbeauftragte Berlins Prof. Barbara John.
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