KDFB

Nachlese: Schule und Inklusion

Die Podiumsgäste (v.l.): Sabine Bretschneider, Daniela Stähler, Angela Besuch und Uta Johst-Schrader.
Der Abend zeigte, wie ein mitunter hochemotional in der Öffentlichkeit diskutiertes Thema sachlich und faktenreich konstruktiv diskutiert werden kann.

„Schule und Inklusion – (Wie) kann es funktionieren?“, so lautete der Titel des von Bildungsreferentin Heike Neubrand moderierten KDFB-Podiumsgesprächs am 14. Juni.
„Wer Inklusion will, findet Wege – wer sie nicht will, findet Begründungen dagegen“: Anschaulich zeigten die geladenen Expertinnen im Haus Helene Weber, wie treffend dieses Zitat ist. Denn obgleich „Inklusion“ längst beschlossene Sache ist – die UN-Behindertenrechtskonvention trat in Deutschland bereits 2009 in Kraft: „Inklusion“ bleibt gleichzeitig eine Vision, die danach verlangt, das Schulsystem und die Einstellung der Gesellschaft zu verändern.

Wie wichtig gut ausgebildetes Lehrpersonal in den Schulen ist, sagte Angela Besuch, stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Eltern helfen Eltern in Berlin-Brandenburg“ und Vorsitzende des Behindertenbeirats Marzahn-Hellersdorf. Zur Wendezeit, als ihre mehrfach schwerstbehinderte Tochter Jana eingeschult wurde, galt die Trennung in Regel- und Förderschulen stärker als heute. Für Jana war der Besuch einer Förderschule zunächst ein Glücksfall. Dann jedoch sei die Lehrerin einer Regelschule an die Förderschule versetzt worden. Sie beharrte darauf, Wissensvermittlerin zu sein und keine Pflegerin. Angela Besuch musste letztlich zur Lösung des Problems eine Versetzung ihrer Tochter in eine andere Klasse veranlassen. Dem Inklusionsgedanken, also dem selbstverständlichen Zusammenlernen von Schülern mit und ohne Förderbedarf, wie er inzwischen in vielen Schulen umgesetzt wird, steht Angela Besuch positiv gegenüber.
 
Mit Daniela Stähler von der Grundschule am Rüdesheimer Platz und Sabine Bretschneider von der Schule am Königstor schilderten zwei engagierte Sonderpädagoginnen, welche Anforderungen der inklusive Unterrichtsalltag stellt. So sind an einer inklusiven Schule mehr Lehrkräfte im Unterricht involviert, die stärker auf das individuelle Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler eingehen müssen und dafür Fortbildungen, Team-Beratungen und spezielles Unterrichtsmaterial benötigen. In Berlin besuchen mit einem Anteil von über 50 Prozent schon mehr Förderschüler Regelschulen als bundesweit, wo es nur 30 Prozent sind. In den weiterführenden Schulen zeigt es sich, dass nur diejenigen Eltern freiwillig ihre Kinder auf eine inklusive Schule schicken, die dem Inklusionsgedanken aufgeschlossen gegenüber stehen, erläuterte Sabine Bretschneider.

Über ihre Arbeit als Inklusions-Beraterin im Auftrag der Senatsverwaltung berichtete Uta Johst-Schrader, die das Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Unterstützungs- und Beratungszentrum (SIBUZ) Friedrichshain-Kreuzberg leitet. Die Beratungsdienste des SIBUZ sind sehr gefragt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an den Berliner Schulen unterwegs und nehmen die Inklusion ganzheitlich in den Blick, d.h. sie beraten alle Beteiligten: Schülerinnen und Schüler, Eltern und das pädagogische Personal. Johst-Schrader führte vor Augen, dass es zwar einerseits wichtig ist, dass genügend Personal vorhanden sein muss, es aber auch unabdingbar ist, dass aber Beteiligten den Inklusionsgedanken mittragen.

Der Abend zeigte, wie ein mitunter hochemotional in der Öffentlichkeit diskutiertes Thema sachlich und faktenreich konstruktiv diskutiert werden kann.