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Dem Schönheitswahn die kalte Schulter zeigen

Pia Klein, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg; Stephanie Freifrau von Liebenstein von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung und Anja Louisa Schmidt, Achtsamkeitscoach (v.l.n.r.). © Adréana Hess für KDFB Berlin

Warum ist es Mädchen und Frauen so wichtig, schön zu sein, vor allem: schön gefunden zu werden? Über Schönheitswahn und Selbstliebe diskutierten beim KDFB Berlin im Haus Helene Weber drei Expertinnen.

Das Streben nach Schönheit ist nicht neu. „Menschen haben seit jeher versucht, schön zu sein“, sagte Anja Louisa Schmidt, Achtsamkeitscoach aus Berlin. Aber: „Die Möglichkeiten haben sich geändert.“ Die digitale Überarbeitung von Fotos, mit denen man sich auf sozialen Plattformen präsentiert, übt einen hohen Druck aus, einem perfekten Bild zu entsprechen.

Dabei haben wir das Smartphone mit integrierter Kamera stets dabei und kontrollieren unser Aussehen aus dem Blickwinkel einer Kamera, also von außen. Parallel sind wir, nicht zuletzt durch Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) daran gewöhnt, Frauen und Mädchen nach Äußerlichkeiten zu bewerten. „Dieses Format ist gefährlich für Mädchen“, sagte Pia Klein, Jugendförderin beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die frühere Leiterin eines Wilmersdorfer Mädchentreffs kritisiert, dass GNTM in einer unrealistischen Modewelt Authentizität vorgaukele. Gleichzeitig sieht Klein in den Sozialen Medien trotz aller Foto-Filter eine Chance, Stereotype zu hinterfragen, weil sich Jugendliche so darstellen könnten, wie sie sein möchten.

Wer man ist und wie man sich fühlt – wichtige Fragen für die Coach Schmidt: „Schönheit entsteht dort, wo ich mich in meinem Körper Zuhause fühle“, sagte sie. Man kann richtig trainieren, den inneren Kritiker auszuschalten und liebevoll über sich zu denken.“

Angesichts von Anfeindungen von übergewichtigen Menschen nütze es allerdings nur bedingt, mit sich selbst im Reinen zu sein, gab Stephanie Freifrau von Liebenstein, Gründerin der „Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung“ zu bedenken. „Dicksein ist gesellschaftlich ein großes Übel, das es zu vermeiden gilt“, sagte sie. „Sich schön zu fühlen bringt nichts, wenn man diskriminiert wird.“

Aber wo lässt sich dann ansetzen? Da waren sich die drei Fachfrauen einig: Kinder in ihrem jeweiligen Sein akzeptieren und stärken, Mitmenschen nicht bewerten und Diversität abbilden!